theaterspielplan.at
Kontakt
 
deutsch
English information
Information française
gift Jänner/Februar 07
How much Schatzi? Zur Nestroy Preisverleihung 2006

Im Rahmen der Nestroy Preisverleihung 2006 wurde Ende November How much Schatzi? von H.C. Artmann des Projekttheaters Vorarlberg als beste Off-Produktion ausgezeichnet. Den Preis nahmen die Regisseurin des Stücks, Susanne Lietzow, sowie das ProduzentInnen-Team Dietmar Nigsch und Maria Hofstätter entgegen. Letztere nutzte die Gelegenheit, vor versammeltem Publikum von Kunststaatssekretär Franz Morak „würdige Arbeitsbedingungen“ und „eine Künstlersozialversicherung, die diesen Namen auch verdient“, sowie für die Zukunft des Nestroys-Preises „einen Hauptsponsor, der auch wieder bereit ist, ein Preisgeld zu stiften“ einzufordern.

Anlässlich der Preisverleihung führte gift mit dem Produzentenduo Maria Hofstätter und Dietmar Nigsch das folgende Interview:

gift: Erst mal herzlichen Glückwunsch von uns alles zur Verleihung des Nestroy Preises 2006! Für jene, die euch noch nicht kennen: Wer ist das Projekttheater Vorarlberg, seit wann gibt es die Gruppe und wie viele Produktionen habt ihr schon gemacht
Projekttheater: Uns gibt’s seit 1988, und mittlerweile sind es 33 Produktionen. Im Durchschnitt also zwei neue Stücke und an die 30 bis 40 Tourneeauftritte in Österreich, Deutschland, der Schweiz und Südtirol pro Spielzeit. Wir haben kein eigenes Haus, sondern suchen für die jeweiligen Projekte die geeigneten Räume, wie z.B. Postbus, Zelt, Kirche, Gerichtssaal, etc. In letzter Zeit hat sich das Alte Hallenbad Feldkirch (Poolbar) und sein spannendes Innenleben immer mehr zu einem relativ fixen Spielraum entwickelt. Genaue Infos sind auf unserer stets aktuellen Homepage unter www.projekttheater.at zu erfahren.

Wer ist das Team und wie sieht die Zusammenarbeit aus?
Wir, Dietmar Nigsch und Maria Hofstätter, leiten das Projekttheater, wir sind für Produktionen und Finanzierung verantwortlich. In den letzten Jahren hat sich aber so was wie ein Kernteam für Regie, Schauspiel, Ausstattung und Technik entwickelt. Aber auch Koproduktionen mit anderen Theaterschaffenden sind für uns von Bedeutung.

Könnt ihr eure Arbeitsweise beschreiben, gibt es da eine bestimmte Spezifik?
Uns interessiert vor allem das Spannungsfeld zwischen Regionalität und Urbanität. Wir leben bewusst in Wien und arbeiten bewusst und hauptsächlich in Vorarlberg bzw. machen wir österreichweite Gastspiele bei unterschiedlichsten Kulturveranstaltern.

Wie ist für euch als Gruppe, die aus Vorarlberg kommt, die Situation bezüglich Subventionen? Wie empfindet ihr die kulturpolitische Situation für freie Gruppen in Vorarlberg?
Wie alle freien Theaterschaffenden kämpfen auch wir ständig um bessere Arbeitsbedingungen, sprich um mehr Geld. Unsere wichtigsten Subventionsgeber sind das Land Vorarlberg, die Stadt Feldkirch und das BKA. Vom Bund werden wir zwar gekürzt, aber dennoch unterstützt, weil wir seit 11 Jahren doch regelmäßig bundesweit auf Tournee gehen. Und wir denken schon, dass die Arbeitsbedingungen für freie Gruppen in Vorarlberg besser sind als z.B. in Wien.

Wie werdet ihr regional, national und international wahrgenommen?
Regional sehr gut. National aufgrund unserer Gastspieltätigkeit und international hält sich das für freie Gruppen wahrscheinlich sehr in Grenzen. Wir spielen allerdings auch häufig in Bayern und Südtirol.

Was ist aus eurer Sicht das Besonderen an „How much Schatzi“
Die Idee, einen Theaterabend mit H.C. Artmann-Texten zu gestalten, stammt von Susanne Lietzow, die sowohl die Bearbeitung als auch die Regie gemacht hat. Das besondere ist, dass sie einen eigenen Artmann-Kosmos geschaffen hat und Figuren, die es so bei Artmann nicht gibt, aber eigentlich geben müsste. Das verarbeitete Textmaterial sind Gedichte und Erzählungen hauptsächlich aus dem Erzählband How much Schatzi.

Was erwartet ihr euch von der Verleihung des Nestroy- Preises? Habt ihr das Gefühl, dass sich damit für eure persönliche Arbeitssituation etwas ändern wird?

Wer zuviel erwartet, wird leichter enttäuscht. Wir freuen uns natürlich über die Anerkennung unserer langjährigen Arbeit. Ob sich unsere persönliche Arbeitssituation ändert, wird sich erst weisen. Natürlich hoffen wir auch darauf, dass die Subventionsgeber diesen Preis in Form von höheren Zuwendungen zur Kenntnis nehmen und die konsequente Arbeit des Projekttheater dementsprechend fördern. Wir sehen den Preis neben der Anerkennung vor allem als Herausforderung und Weiterbewegung unserer Theaterarbeit, und dafür benötigen wir eine hinreichend finanzielle Grundlage.

Maria, du hast ja schon bei der Preisverleihung darauf hingewiesen, dass du dir zukünftig einen Hauptsponsor wünschen würdest, der bereit ist, für die beste Off-Produktion wieder ein Preisgeld zu stiften. Das heißt, ihr habt diesmal – im Gegensatz zu den Gewinnern der Vorjahre – kein Preisgeld bekommen. Bringt der Nestroy-Preis andere finanzielle Vorteile?
Ja, es war uns wichtig drauf hinzuweisen, dass es kein Preisgeld mehr vom Hauptsponsor für diese Kategorie gibt. Gerade die freien Gruppen müssen dermaßen unter erschwerten Bedingungen arbeiten, dass ein Wegfall des Preisgeldes von 10.000 Euro einen schwer trifft. Vielleicht war es doch ein Denkanstoß, in Zukunft die beste Off-Produktion auch wieder finanziell auszuzeichnen. Mit dem Preis ist auch eine Zuwendung der Stadt Wien für eine nächste Produktion verbunden, die allerdings auch in Wien gezeigt werden muss. Wir wissen zur Zeit noch nicht wie viel das in Zahlen sein wird. Auch in diesem Punkt wäre mehr Klarheit von der Stadt Wien, was Höhe des Preisgeldes und Formalitäten betrifft, sehr wünschenswert. Man sollte nach Möglichkeit vermeiden, dass man den Preisträger zum Bittsteller macht – denn damit trübt man die Freude!

Wie habt ihr persönlich die Gala bei der Preisverleihung erlebt?
Sowohl das Drehbuch von Alfred Dorfer, als auch die gelungene Moderation von Mertens/Ofczarek haben die Gala zu einem kurzweiligen Abend werden lassen.

Was plant ihr für die nächste Zeit, gibt es schon konkrete Pläne für eine neue Produktion?
Wir proben gerade intensiv für unser neues Stück Killer Joe von Tracy Letts, ein Trash-Thriller. Regie und Bearbeitung stammen wieder von Susanne Lietzow, spielen werden Sandra Bra, Peter Badstübner, Maria Hofstätter, Dietmar Nigsch und Sebastian Pass. Die Musik stammt von Herbert Tampier, die Ausstattung von Marie Luise Lichtenthal. Die Premiere ist am 25. Jänner im Alten Hallenbad in Feldkirch. In Wien wird diese Produktion von 20. bis 24. Februar im dietheater Künstlerhaus zu sehen sein. Und gleich anschließend ist vom 27. Februar bis 3. März die Wiederaufnahme der Besten Off Produktion How much Schatzi? ebenfalls im dietheater Künstlerhaus zu sehen. Im April und Mai 2007 sind wir wieder mit Die Präsidentinnen von Werner Schwab auf Tournee. Und dann wird sich weisen, wie viel Budget noch für eine weitere Produktion zur Verfügung steht. In Planung ist ein Edgar Allen Poe-Abend, ausgehend von der Geschichte Der Untergang des Hauses Usher.

Herzlichen Dank!

[e]
© 2008 IG Freie Theaterarbeit · Impressum