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gift 03 / 2011
Participation is it! Is it? Hintergründe, Möglichkeiten und Grenzen von Community Dance am Beispiel von Tanz die Toleranz

Ein Amalgam aus Kunst, Soziologie und Pädagogik: „Community Dance“ ist zwar schon vor einiger Zeit entstanden, aber erst seit wenigen Jahren gibt es auch im deutschsprachigen Raum echte Aufmerksamkeit dafür. In Wien hat sich mit Tanz die Toleranz eine Keimzelle für den partizipativen Tanz etabliert.

Von Xenia Kopf


Von Großbritannien...

Seit dem Dokumentarfilm Rhythm Is It! kennt man ihn: Royston Maldoom, britischer Choreograf und ‚Star’ der Szene. 2003 erarbeitete er eine Choreografie zu Strawinskys Le Sacré du Printemps mit 250 SchülerInnen aus so genannten „sozialen Brennpunkten“ Berlins, die gemeinsam mit den Berliner Philharmonikern unter Simon Rattle aufgeführt wurde. Aber nicht nur der Person selbst, sondern auch dem Konzept verhalf der Film zu spätem Ruhm: seither ist Community Dance im Aufwind, die Initiativen sprießen, das Interesse steigt und endlich werden auch Mittel locker gemacht.
Die Idee des partizipativen Tanzes stammt aus Großbritannien und entstand ursprünglich mit dem (profanen) Ziel, Bewusstsein für den modernen Tanz zu schaffen – und sich damit ein Publikum aufzubauen. In offenen Klassen sollte möglichst vielen Menschen, unabhängig von Herkunft oder sozialer Schicht, Einblick in die Arbeit geboten werden, um sie für das Angebot an Aufführungen zu gewinnen. Maldoom gehört, gemeinsam mit Kolleginnen wie Tamara McLorg, Janice Parker und Mags Byrne, zu den ersten TänzerInnen, die sich in Großbritannien aktiv im Aufbau dieser Angebote engagierten. Allerdings rückte der Wunsch der TeilnehmerInnen, selbst zu tanzen, bald in den Vordergrund. Der moderne Tanz wurde auf diesem Weg nicht nur als Kunst, sondern auch als Mittel zum Zweck entdeckt: er fördert Selbstbewusstsein, sozialen Zusammenhalt und – vor allem, wenn es nach Royston Maldoom geht – Disziplin für jeden, der sich auf ihn einlässt. Damit wird ihm das Potential zugesprochen, basale Fähigkeiten für ein selbstbestimmtes Leben vermitteln zu können, verbunden mit dem imposanten Anspruch Maldooms’: „You can change your life in a dance class.“
2007 wurde Maldoom und kurz darauf McLorg von Werner Binnenstein-Bachstein (damals Leiter des Bereichs In- und Ausländerinnen Hilfe, heute einer der beiden Geschäftsführer der Caritas) für ein Community Dance-Projekt nach Wien eingeladen; die Kooperation der beiden war allerdings an die Bedingung gekoppelt, kein Einzelprojekt umzusetzen, sondern nachhaltige Strukturen zu schaffen. So entstand die Initiative Tanz die Toleranz, mit Maldoom und später auch McLorg als künstlerische BeraterInnen. Das Projekt fand sein Zuhause in der Brunnenpassage (Leitung: Anne Wiederhold), ein offener Kulturraum auf dem Yppenplatz im 16. Bezirk.


... nach Wien

Seither hatten die Betriebswirtin Ulrike Levri und die Theaterwissenschaftlerin Claudia Salcher die Gesamtleitung von Tanz die Toleranz inne; im Jänner 2011 trat Monica Delgadillo, Tänzerin, Tanzpädagogin und Choreografin, die künstlerische Leitung der Initiative an, ab Juli wird sie die Gesamtleitung übernehmen. Damit hat zum ersten Mal eine Künstlerin diese Position inne. Delgadillo stammt aus Mexico und hat eine klassische Ballett-Ausbildung absolviert; von Zeit zu Zeit empfand die Tänzerin im Alltag einer Ballet Company ihren Beruf allerdings nicht als befriedigend: „Manchmal ist tanzen einfach nur ein Job. Dann fragt man sich: wozu mache ich das, was hat es für einen Wert? Oder bedient es nur die Selbstverliebtheit mancher ChoreografInnen?“ Als sie 2008 nach Österreich übersiedelte, „entdeckte“ sie Tanz die Toleranz bei einer Master Class, wo die oben genannten ‚großen Namen’ der Szene (Maldoom, McLorg, Byrne, Parker u. a.) ihre Methoden und Arbeitsansätze vorstellten.
Seit 2009 arbeitet Delgadillo bei Tanz die Toleranz; das Community-Dance-Handwerk erlernte sie unter anderem als Assistentin bei Tamara McLorg, Royston Maldoom und Janice Parker: „Die grundlegenden choreografischen Tools habe ich mitgebracht, aber wie man im Community Tanz arbeitet, musste ich erst lernen. Hier kann man nicht genauso kommunizieren wie mit professionellen TänzerInnen, denen man einfach Bewegungen vorgeben kann. Man muss sich klar und einfach ausdrücken, mit einfachen Bildern arbeiten, z.B. ‚Stell dir vor, hier ist Wasser und du tauchst deine Hände hinein.’“ Bei dieser Arbeit muss der/die ChoreografIn außerdem wesentlich flexibler sein als gewohnt – manche vorbereiteten Bewegungsabläufe oder Bilder funktionieren in einer Laien-Gruppe gar nicht, andere wiederum besser und schneller als erwartet. Der/die GruppenleiterIn muss sich auf diese Dynamiken einstellen können und bereit sein, sich anzupassen, zumal sich die Gruppen bei den regelmäßigen offenen Klassen oft umbilden. Um zu verhindern, dass der Tanzstil der Gruppenleitung zu dominant wird, werden improvisatorische Aufgaben gestellt: „Sie haben manchmal großartige Ideen, bei denen ich mir denke: Warum bin ich da nicht selbst draufgekommen?“


Zielsetzungen

Tanz die Toleranz bietet verschiedene Formate an, darunter einige wöchentlich stattfindende Klassen, von denen manche offen sind: hier ist der Einstieg (und auch der Ausstieg) jederzeit möglich, eine bunte Palette von Tanzstilen wechselt sich ab – von Lindy Hop über Salsa und Bollywood bis Michael Jackson. Besonders das Format Saturdance soll zum Mitmachen einladen, wenn der Marktbetrieb rund um den Yppenplatz in vollem Gange ist. Das Herzstück der Arbeit sind aber jene Projekte mit einer konstanten TeilnehmerInnen-Gruppe und einer definierten Proben-Zeit, an deren Ende die Aufführung der erarbeiteten Choreografie steht. Die anderen Formate sollen durch ihre Niederschwelligkeit den Zugang zu diesen Projekten ermöglichen und erleichtern. Erst in den längerfristig zusammenarbeitenden Gruppen entstehen jene nachhaltigen Prozesse, die neben dem künstlerischen Produkt einen Mehrwert für die TeilnehmerInnen hervorbringen. Dafür ist vor allem die Aufführung wichtig, sie stellt ein konkretes Ziel dar, auf das hingearbeitet wird und erhöht so die Motivation; „es ist nicht nur ein Workshop für sich, wo eh keiner zuschaut“, so Delgadillo. Ein gutes Beispiel dafür ist die wöchentlich stattfindende Dance Class Youth, eine geschlossene Gruppe für 15- bis 25jährige – auch hier: jeder Schicht und Herkunft – mit halbjährlichen Einstiegsmöglichkeiten. Jedes Semester erarbeitet diese Klasse eine Choreografie und präsentiert sie bei einem abschließenden Showing, das in der Brunnenpassage, aber auch an ganz anderen Orten gezeigt wird: die Youth Class war bereits in der Josefstadt, bei einem Festival im KosmosTheater (Ladies of Hip Hop) und in Detmold beim Festival Summer ResiDance zu sehen. Allesamt Orte, die viele der Jugendlichen zum ersten Mal besucht haben. Für Anne Wiederhold, die Leiterin der Brunnenpassage, sind diese Aufführungen auf größeren und großen Bühnen ein wichtiges Element, um die partizipativen Gruppen „in die Mitte der Gesellschaft“ zu tragen und ihnen Sichtbarkeit zu verleihen.

Kunst
Es ist schwierig, die verschiedenen Zielsetzungen nach ihrer Wichtigkeit zu reihen. Der künstlerische Anspruch soll aber als erstes genannt werden, weil er dem Community Dance gerne pauschal abgesprochen wird. Für Monica Delgadillo ist jedenfalls eine hohe Qualität wichtig, die Aufführungen sollen ja „nicht nur für Verwandte der TänzerInnen interessant sein. Das ist nicht nur ein soziales Projekt, eigentlich ist es ein Kunst-Projekt. Ich bin keine Sozialarbeiterin, ich bin Künstlerin, ich mache Choreografien mit den TeilnehmerInnen und wir zeigen am Ende auch eine Performance, die sehenswert ist.“ Und immerhin hat die Tanz die Toleranz-Performance 2007 die Wiener Festwochen eröffnet. Aber zu diesem Anspruch – ernst genommen zu werden – gehört natürlich auch das Recht auf schlechte Kritiken.

Nachhaltigkeit
Es gibt bereits seit den 1980ern einige Community Dance Projekte im deutschsprachigen Raum und weltweit; die meisten dieser Projekte konzentrieren sich aber entweder auf die professionelle Weiterbildung (Zielgruppe Tanzprofis) oder übernehmen in etwa das Rhythm is it!-Konzept, d. h. organisieren (einmalige) Tanz-Projekte an Schulen. Was Tanz die Toleranz in dieser Hinsicht auszeichnet, ist eine besondere Form von Nachhaltigkeit, die sich auf mehrere Ebenen erstreckt: wie bereits beschreiben, sind zunächst die Angebote nicht zeitlich limitiert, sondern finden regelmäßig statt und schaffen so Kontinuität; das ermöglicht nicht nur das Erreichen von vielen Menschen, sondern es erlaubt auch die wiederholte und fortlaufende Teilnahme an den Angeboten. Auf der professionellen Seite ermöglichen die ebenfalls bereits erwähnten Master Classes professionelle Weiterbildung und internationalen Austausch im Bereich partizipativer Tanz für die ChoreografInnen.

Zusammenarbeit
Je nach Zielgruppe sind Ausgangsituation und Intentionen anders gelagert; kürzlich wurde z. B. ein Frauen-Projekt abgeschlossen, bei dem Österreicherinnen, Perserinnen und tschetschenische Frauen zusammenarbeiteten. Hier ging es speziell um Frauen, die u. a. auf Grund mangelnder Sprachkenntnisse wenig Möglichkeiten haben, kulturelle Angebote zu nutzen. Schon bei der Planung des ersten Frauenprojektes 2009 lernte das Team von Tanz die Toleranz einiges dazu: „Es ist sehr schwer, diese Frauen zu erreichen, sie kommen nicht durch Flyer oder Werbung; sie kommen nur durch Mundpropaganda, persönliche Kontakte, etwa über andere Vereine.“ Die offen gestaltete Anlage der Brunnenpassage mit ihren großen Glasflächen stellte sich für dieses Projekt außerdem als gravierender Nachteil heraus, die Muslimas zogen für den gemeinsamen Tanz einen geschützten, privaten Raum vor: „Die Rückmeldung war: wir würden sehr gerne tanzen, aber nicht hier.“ Das Frauenprojekt 2011 fand in geschlossenem Rahmen in Wiener Neustadt statt, zur abschließenden Aufführung waren nur Frauen und Kinder eingeladen – fotografieren und filmen verboten.
Der Erfolg dieses Projektes war jedenfalls klar sichtbar: Die Frauen kamen einander näher und der Umgang miteinander wurde selbstverständlich(er). „Am Anfang steht jede in der Ecke, im Grüppchen. Schon bei der Choreografie versucht man, sie einander näher zu bringen: sie müssen etwas in Paaren machen, aber mit jemandem, den sie nicht kennen. Am Ende der Probenzeit sieht man, wie sie plötzlich alle beisammen sitzen. Sehr wichtig ist auch die Anerkennung, die sie bei der Aufführung erfahren, das stärkt ihr Selbstwertgefühl.“

Kontakte
Bereits an dem vorhergehenden Beispiel ist ablesbar, dass eines der zentralsten Ziele das gegenseitige Kennenlernen ist: die Begegnung zwischen Menschengruppen, zwischen denen im Alltag kaum oder kein Kontakt besteht. Um das Thema Tanz-Projekte an Schulen an dieser Stelle wieder aufzugreifen: Auch solche Kooperationen finden durchaus statt, aber nur unter der Voraussetzung, dass noch weitere Institutionen eingebunden werden (z. B. Schulen mit unterschiedlicher sozialer Zusammensetzung oder soziale Einrichtungen).
Mindestens ebenso wichtig ist aber auch der Kontakt zur Kunstform Tanz: Bei besagten Schulprojekten sind es vor allem die jugendlichen Männer – oft aus traditionellen Familienverhältnissen –, die mit sich zu kämpfen haben. Die besondere Voraussetzung bei diesen Projekten ist, dass die TeilnehmerInnen mitmachen müssen, auch wenn sie es anfangs oft gar nicht wollen. „Die Einstellung ist oft: Das kenne ich nicht, das mache ich nicht. Aber sie müssen mitmachen! Das Problem ist, dass sie sich schämen, sie wollen sich nicht bloßstellen. Und durch Macho-Gehabe wollen sie ihre Unsicherheit verstecken. Im Verlauf der Proben kann man beobachten, wie sie diese Scham verlieren.“ Es hilft, wenn ein männlicher Choreograf mitarbeitet, und den jungen Männern zeigt, dass (moderner) Tanz durchaus maskulin sein kann. Viele der jungen Leute kommen dabei zum ersten Mal in Berührung mit Tanz, aber auch mit klassischer Musik. „Sie werden vielleicht nicht alle TänzerInnen – das ist auch nicht unser primäres Ziel – aber sie haben eine Tür aufgemacht. Nicht nur für sich, sondern auch für die Familie, die zuschauen kommt, das hat also auch eine Multiplikator-Funktion.“ Eine erfreuliche Entwicklung: es kommen immer mehr Männer zu den verschiedenen Angeboten.

Körper & Wahrnehmung
Im professionellen Tanz, auch im zeitgenössischen, sind indessen nicht nur die Tänzerinnen in der Überzahl; es herrscht auch noch immer die Norm des makellosen, schlanken, sehnigen, fitten Körpers vor. Community Dance kann dieser Norm, diesem Klischee entgegenwirken: Hier kann jede/r teilhaben, der Körper wird nicht als Maßstab herangezogen. „Wir nehmen hier die Menschen in ihrer Vielfalt an und zeigen das auch auf der Bühne. Wir verstecken niemanden.“ Auch für die Wahrnehmung des eigenen Körpers sowie die Wahrnehmung des Anderen werden die TeilnehmerInnen sensibilisiert: „Am Anfang sieht man schon eine gewisse Zurückhaltung, wenn man zu zweit etwas machen muss, den anderen heben muss. Aber das normalisiert sich während der Proben, es wird normal, miteinander zu tanzen, einander zu heben. Und man beginnt, sich gegenseitig und den ganzen Raum wahrzunehmen. Man muss gleichzeitig in sich hineingehen und aus sich heraus.“


Caritas?

Die Caritas der Erzdiözese Wien ist sowohl Trägerin der Brunnenpassage als auch von Tanz die Toleranz. Das schafft einen spezifischen Kontext für die Initiative; auf die Frage hin, ob diese Anbindung an eine katholische Organisation Misstrauen oder Berührungsängste schafft („ich werde integriert“), meint Monica Delgadillo: „Ich habe bisher nichts dergleichen erlebt. Zunächst arbeiten bei der Caritas Wien Menschen jeder Religion, das spielt dort keine Rolle. Außerdem werden wir zwar von ihr gefördert, agieren aber unabhängig. Unser Ziel ist es, die Leute so anzusprechen, dass die Gruppen ‚bunt’ werden; alles andere – so etwas wie Integration vielleicht – geschieht nebenbei.“
Anne Wiederhold betont, dass es ohne die Caritas weder die Brunnenpassage noch Tanz die Toleranz in dieser Form geben würde: Um den Standort auf dem Yppenplatz haben sich z. B. auch Gewerbebetriebe beworben. „Als freischaffende Off-Theater-KünstlerInnen hätten wir diese Projekte niemals initiieren können. Die Caritas hat sich als einzige Trägerorganisation diesen Themen [Schaffung von Partizipationsmöglichkeit mittels Kunst, Anm.] angenommen. Mittlerweile erhalten wir öffentliche Förderungen aus dem Kulturbudget, wie andere Kunstinstitutionen auch.”


Grenzen

Community Dance, wie soziokulturelle Arbeit überhaupt, stößt bei Problemen an seine Grenzen, die nicht mehr in seinem Einflussbereich liegen: etwa psychische, finanzielle, aber auch bürokratisch-politische Hindernisse. Eine der Teilnehmerinnen des Frauen-Projektes soll z. B. demnächst abgeschoben werden, und dagegen hilft auch Tanzen nicht; es kann zwar Integration und ein gutes Zusammenleben fördern, ist aber machtlos, wenn dieses Zusammenleben systematisch verhindert wird. Die Frau war „eine wunderschöne und starke Tänzerin“ und hatte bei dem Projekt ein Solo. Delgadillo hofft, dass sie die dadurch erfahrene Anerkennung und die Wertschätzung mitnimmt, „auch wenn sie dann nicht mehr hier ist.“ Bei solchen Problemen ist die Anbindung an die Caritas wiederum ein großer Vorteil: andere Bereiche der Organisation können gerade in diesen Fällen mit den jeweils benötigten Kompetenzen ‚einspringen‘.
Die Arbeit mit partizipativem Tanz allein kann aber auch nicht alle Vorurteile abbauen, es muss eine wechselseitige Bereitschaft da sein. Bei einer Mixed Abilities-Klasse etwa (TänzerInnen mit und ohne Behinderungen) ist eine Teilnehmerin beim Anblick der Gruppe einfach wieder gegangen, so Delgadillo. „Sie hat nur gesagt: ‚Das ist nichts für mich’, sie hat es nicht einmal versucht. Wenn wir das z. B. bei den Schulprojekten zulassen würden ... da sieht man, wie unreif Erwachsene sein können.“


Ausblick

Glücklicherweise sind derartige Erfahrungen sehr selten, die positive Resonanz überwiegt bei weitem. Trotzdem sollte es u. a. deshalb in Zukunft, geht es nach Monica Delgadillo, eine regelmäßige Mixed Abilities-Klasse geben – wenn es die Finanzierung zulässt. Auch darüber hinaus sind Erweiterungen des Angebotes denkbar: Schön wären regelmäßige Veranstaltungen für Kinder und SeniorInnen, mehr Frauen-Projekte, und ein ähnliches Projekt für Männer. Aber: „Die einzelnen Zielgruppen sollen nicht auseinander gehalten werden, sie sollen sich – zum Beispiel bei den großen Projekten – auch begegnen.“ Tanz die Toleranz setzt sich jedenfalls explizit selbst das Ziel der „immerwährenden Projektneugestaltung und -erweiterung durch das Feedback und den gemeinsamen Dialog mit allen Beteiligten.“ Die Bestellung Monica Delgadillos als künstlerische Leiterin erfüllt den Anspruch der Weiterentwicklung auf jeden Fall – man darf auf zukünftige Projekte gespannt sein.
Der künstlerische und soziokulturelle Beitrag von Community Dance-Initiativen wie Tanz die Toleranz ist jedenfalls nicht zu übersehen und sollte auch nicht unterschätzt werden. Es bleibt zu hoffen, dass sich diese Ansicht auch bei den FördergeberInnen durchsetzt. Schließlich sollte allen Menschen die Möglichkeit offen stehen, ihr Leben in einer Tanzklasse zu verändern.


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Monica Delgadillo Aguilar: geboren in Mexiko, Tanzausbildung mit Schwerpunkt klassisches Ballett, Weiterbildung im Bereich zeitgenössischer Tanz. Seit 1999 zahlreiche Produktionen in den Bereichen Tanz, Schauspiel und Musiktheater in Deutschland. Ab 2001 Studium der Germanistik, Sprachwissenschaft und Philosophie. 2008 Übersiedelung nach Wien, freischaffende Tänzerin und Choreografin. Seit 2009 bei Tanz die Toleranz als Workshopleiterin und Choreografin, im Jänner 2011 übernahm sie die künstlerische Leitung.

Xenia Kopf: wissenschaftliche Mitarbeiterin des außeruniversitären Forschungsinstituts österreichische kulturdokumentation (www.kulturdokumentation.org), redaktionelle Mitarbeiterin der gift und Graphikerin.


Weitere Infos:
www.tanzdietoleranz.at
www.royston-maldoom.net
www.brunnenpassage.at
www.candocandance.de/history

Rhythm is it!

Regie: Thomas Grube und Enrique Sánchez Lansch, D 2004.
www.rhythmisit.com
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