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gift April - Juni 09
Keine KollegInnenkarten von den Wiener Festwochen? Barbara Stüwe-Eßl ist für die IG Freie Theaterarbeit an Wolfgang Wais, den Geschäftsführer der Wiener Festwochen, mit dem Ersuchen herangetreten, IGFT-Mitgliedern den Zugang zu Produktionen der Wiener Festwochen durch die Vergabe von Regiekarten finanziell zu erleichtern. Ein Ansinnen, das uns nicht wirklich unangemessen erschienen ist angesichts der hohen Subventionierung der Wiener Festwochen durch die Stadt Wien. Diese macht 2007 gut zehn Mio. Euro aus. Im Vergleich dazu beläuft sich die Subvention der freien Szene Wiens – gerechnet aus der Projekt- und Konzeptförderung für freie Gruppen ohne Häuser – auf knapp 5,3 Mio. Euro.

Es kann doch nur im Sinn der Subventionsgeberin sein, wenn die finanziell unterstützten freien darstellenden KünstlerInnen intensiven Nutzen aus den finanziell unterstützten Festwochen ziehen, indem sie sich über internationale Standards informieren. Nun, die Wiener Festwochen sehen das anders. Sie verweisen auf „eine Reihe von Ermäßigungen: Im Rahmen von Hunger auf Kunst & Kultur erhalten Kulturpass-InhaberInnen kostenlose Einrittskarten nach Maßgabe der Verfügbarkeit. Es werden Ermäßigungen für Jugendliche, SchülerInnen, Arbeitslose, PensionistInnen angeboten und es gibt weitere Ermäßigungen in Kooperation mit den Büchereien Wien und der Raiffeisenbank Wien. Alle Veranstaltungen der Reihe Into the City werden bei freiem Eintritt angeboten.“[1] Zusätzlich machen sie uns darauf aufmerksam, „dass für fast alle Veranstaltungen der Festwochen Karten in günstigen Preiskategorien angeboten werden.“[2]

Diese „günstigen Preiskategorien“ sind über weite Strecken nicht wirklich günstig angesichts der prekären Lebensumstände vieler KünstlerInnen, wie auch durch die Studie Zur sozialen Lage der Künstler und Künstlerinnen in Österreich[3] deutlich gemacht wird: „Das gesamte persönliche Einkommen der Kunstschaffenden (unter Einbeziehung von Einkommen aus nicht-künstlerischen Tätigkeiten) bleibt deutlich unter dem anderer Berufsgruppen. (…) Der Lebensstandard der Kunstschaffenden fällt im Vergleich zu anderen Bevölkerungsgruppen nachteilig aus: die Armutsgefährdungsquote ist deutlich höher als in der österreichischen Gesamtbevölkerung und unter Erwerbstätigen.“
Argumentiert wird vom Kartenvertrieb & Service der Wiener Festwochen – trotz eines gewissen Verständnisses für unser Anliegen – damit, dass es „eine verbindliche Kartenregelung“ gäbe, „nach der sich auch die Vergabe von Regiekarten richtet.“ Und sie seien „dazu angehalten entsprechend dieser Regelung zu agieren. Diese ermöglicht es uns, Ihnen auch dieses Jahr wieder Regiekarten anzubieten – (…) für ausgewählte Stücke ab etwa Ende April.“[4] Doch kurzfristige Sonderangebote sind leider für Menschen, die selbst am Theater arbeiten, nicht leicht wahrzunehmen, müssen sie doch ihre freien Abende langfristig mit ihrem Beruf abstimmen. Und wer hat eigentlich diese „verbindliche Kartenregelung“ aufgestellt? Ist sie in Stein gemeißelt?

Last but not least: welche Auswahlkriterien gibt es für die Stücke, zu denen uns dann sehr kurzfristig Regiekarten angeboten werden? Es ist nicht gerade unvorstellbar, dass es sich – „ab etwa Ende April“ – wohl um Stücke handeln wird, die am freien Markt keinen reißenden Absatz finden …
Herzlichsten Dank!


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[1] [2] [4] Zitiert aus dem Mailverkehr Anfang März 2009 mit Michaela Zimbelius, Leitung Kartenvertrieb & Service der Wiener Festwochen

[3] Zur sozialen Lage der Künstler und Künstlerinnen in Österreich, bm:ukk 2008, www.bmukk.gv.at/kunst/bm/studi...
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