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Grundsatzerklärung
Grundsatzerklärung
Zum Selbstverständnis der IG Freie Theaterarbeit


Die Interessengemeinschaft Freie Theaterarbeit (IGFT) ist ein Zusammenschluss von verschiedenen, in der freien darstellenden Kunst tätigen Personen, die innerhalb der Rechtsform eines gemeinnützigen Vereins zusammenarbeiten. Das Ziel dieser Zusammenarbeit ist in den Vereinsstatuten folgendermaßen formuliert: Förderung der kulturpolitischen, sozialen, rechtlichen und beruflichen Interessen, Zusammenarbeit der Gruppen und Personen als solche und Förderung und Erleichterung ihrer Kommunikation.
Das Wesen einer Interessengemeinschaft ist es, die Interessen aller sich zur Gemeinschaft bekennenden Personen, Gruppen und Interessensegmente zu versammeln, zu ordnen, zu vermitteln und übergeordnete Interessen der gesamten Gruppe zu destillieren. Diese übergeordneten Interessen sind notwendigerweise allgemeiner formuliert – und gerade dadurch können sie nicht mit den Partikularinteressen der Personen bzw. Gruppen innerhalb der IGFT kollidieren.


Welche Interessen versammelt die IGFT?

Die IGFT kann sich nur den gemeinsamen und übergeordneten Interessen ihrer Mitglieder widmen und diese gegebenenfalls gegenüber der Politik und in der Öffentlichkeit vertreten. Diese Interessen umfassen im Falle der IGFT vor allem:

Ökonomische Besserstellung aller an der freien Theaterarbeit beteiligten Personen zumindest jenseits des Existenzminimums, nach Möglichkeit aber in der Richtung eines durchschnittlichen Facharbeiterlohns

• Schaffung berufspraktikabler Sozialversicherungsstrukturen für die im freien darstellenden Bereich arbeitenden und schaffenden KünstlerInnen

• Durchsetzung demokratischer, transparenter und legistisch geregelter Entscheidungsverfahren hinsichtlich der Fördermittelverteilung und -vergabe, sowie bei der Bestellung von Personen in leitende Funktionen jener Institutionen, die an der Verwirklichung freier Theaterarbeit beteiligt sind

• Eine Infrastruktur, die die Vorbereitung und Durchführung von freien Produktionen ermöglicht

• Verstärkte Sichtbarmachung der freien Theater-, Tanz- & Performance-Szene, – lokal, regional, überregional und auch international

Solidarität und Vernetzung der Kunst- und Kulturschaffenden bilden, stärken und in Aktionen bündeln

• Ermöglichung der freiwilligen Fort- und Weiterbildung aller Agierenden – in möglichst kostengünstiger Form

• Müheloser Zugang zu Informationen


Um diese übergeordneten Interessen der gesamten Gruppe der freien darstellenden KünstlerInnen zu verwirklichen, zu fördern und durchzusetzen, sind vom Vorstand des Vereins konkrete Maßnahmen zu bestimmen und je nach Dringlichkeit oder Relevanz zu reihen, sowie von der Geschäftsführung zu organisieren.
Obengenannte Interessen werden von der IGFT auch gegenüber der Politik vertreten, obwohl sie im juridischen Sinn keine „Interessenvertretung“ bzw. Standesvertretung ist und kein dementsprechendes Mandat hat, die Interessen der innerhalb der Gemeinschaft zusammenarbeitenden Personen und Gruppen gegenüber Dritten zu vertreten. Die IGFT nimmt auch an keinen institutionalisierten Interessenausgleichsverhandlungen auf der ArbeitnehmerInnen- oder ArbeitgeberInnenseite Platz.
Sie versteht sich vielmehr als sachkompetente Ansprechpartnerin, sowohl für TheatermacherInnen als auch für VertreterInnen der Kultur- und Sozialpolitik; des weiteren als Diskussionsplattform und Vermittlerin von Problem- und Interessenslagen, als Netzwerk und Verteilungsknoten der vielfachen Informationsflüsse innerhalb der Branche, als Service- und Beratungsinstitution für Kunst- und Kulturschaffende sowie als Verwaltungseinheit und Auszahlungsstelle der IG Netz-Gelder, einer Sozialversicherungs-Bezuschussung des Bundes für KünstlerInnen. Im Rahmen dieser Funktionen nimmt die IGFT an politischen Entscheidungsfindungsprozessen sowie an den flankierenden Debatten Anteil und bezieht zu den jeweiligen Themen auch öffentlich Stellung.
Die IGFT enthält sich bei künstlerischen Qualitätsprüfungen und Evaluierungsverfahren ihrer Stimme, da sie als gemeinschaftlich organisierte Vereinigung von Kunstschaffenden jenseits ästhetischer Urteile zu verbleiben hat. Geschmacksurteile, die VertreterInnen des Vorstands oder MitarbeiterInnen tätigen, sind ihre privaten, fehlbaren Meinungen und stellen daher in keinem Fall einen Anteil welcher Stellungnahme auch immer der IGFT dar.


Wessen Interessen versammelt die IGFT?

Wesensmäßig ist zwischen Vereinsmitgliedern, Interessengruppen und Interessensegmenten zu unterscheiden:

Vereinsmitglieder
können nur natürliche Personen sein, deren Interessen hinsichtlich des Vereinszwecks in Summe von dem Verein IGFT nicht nur versammelt, sondern auch vertreten werden können. Einzelinteressen von Mitgliedern sind dagegen vom Verein IGFT nicht vertretbar, da diese mit Einzelinteressen anderer Mitglieder leicht kollidieren können und es somit zu einem vereinsinternen Interessenskonflikt kommen kann. In solchen Fällen tritt die IGFT, falls dies erwünscht ist, bloß vermittelnd auf.

Interessengruppen
sind die unter einem gemeinsamen Namen zusammengefassten Gesinnungsgemeinschaften einzelner freier TheatermacherInnen, wie zum Beispiel freie Theater-/Tanzgruppen, Arbeitsgruppen oder informelle Netzwerke. Diese können statutengemäß nicht Mitglied des oben genannten Vereins werden, können daher auch im Rahmen des Vereins nicht vertreten werden. Interessengruppen sind aber als Gesinnungsgemeinschaften willkommene TeilnehmerInnen an allen Aktivitäten und Tätigkeiten der IGFT.


Interessensegmente, die sich innerhalb der IGFT feststellen lassen:

Interessensegment der künstlerisch Produzierenden:
Besteht aus den die Kontinuität wahrenden Kernteams der freien Gruppen, welche sich aus einer oder mehreren Personen zusammensetzen. Naheliegenderweise variiert diese Zusammensetzung von Gruppe zu Gruppe. Sie kann (mit und ohne Personalunionen) in etwa umfassen: Gruppenleitung, Regie, Produktionsleitung, Erstellung von Bühnenbild, Musik, Choreographie, Sekretariat (wenn vorhanden), in manchen Fällen auch ständig an die Gruppe gebundene Darstellende/Tanzende/Performende.

Interessensegment der Darstellenden, Tanzenden und Performenden:
Besteht aus jener Vielzahl von Menschen, die ihren Lebensunterhalt damit verdienen, dass sie bald hier, bald dort in subventionierten, gesponserten oder marktgängigen Aufführungen auftreten oder am Zustandekommen einer Produktion mitwirken.

Interessensegment der veranstaltend Produzierenden bzw. Ko-Produzierenden:
Besteht zumeist aus den künstlerisch oder organisatorisch leitenden Personen von Institutionen, Häusern, Mittel- bzw. Kleinbühnen aber auch von Proberäumlichkeiten in bzw. an denen freie Theaterarbeit in Koproduktionen oder auch durch Mietverhältnisse verwirklicht wird. Dieses Segment stellt eine wichtige, infrastrukturelle Komponente freier Theaterarbeit dar und ist mit einer speziellen Interessenslage ausgestattet, die das geschäftliche Ziel dem künstlerischen gleichstellt bzw. mitunter vorzieht.

Interessensegment der weiteren zu künstlerischen Produktionen Beitragenden:
Besteht aus jenen Personen, die in Bereichen wie Licht, Ton, Ausstattung, Produktionsleitung, Öffentlichkeitsarbeit u. a. an Theater- und Tanzaufführungen mitwirken bzw. Personen, die im Theaterbereich strukturell, vermittelnd oder vernetzend arbeiten.


(September 2009)
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