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Kulturpolitik
Theaterreform Wien - Auslobungen der Theaterjury - Statements von KünstlerInnen
IG Freie Theaterarbeit, 3. Februar 2006

Theaterreform Wien - Auslobungen der Theaterjury für
- Theatertheorie
- Interkulturelle Projekte
- Theater für Kinder und Jugendliche
- Tänzerisch-choreographischer Nachwuchs

Die Deadline für die Einreichungen zu den Auslobungen im Bereich des Nachwuchses waren am 30. September 2005. Bis heute sind keine Entscheidungen gefallen. Die Situation ist für viele NachwuchskünstlerInnen unhaltbar geworden. Das gilt nicht nur für den Nachwuchsbereich.

Hier finden Sie verschiedene Statements von Nachwuchs-KünstlerInnen:

STATEMENT 1


unsere grössten probleme als nachwuchskünstler sind nicht unbedingt fehlende möglichkeiten der präsentation, sondern viel mehr die umstände die mögliche aufführungen umständlich machen:
die einzige relevante möglichkeit für unterstützung anzusuchen, ist bei der stadt wien für nachwuchsförderung einzureichen, wobei die stadt wien es seit ewigkeiten hinauszögert entscheidungen zu treffen und keine konkreten auskünfte darüber gibt, wann wer wieviel geld bekommen könnte.
weiters bekommt man bei fast allen festivals / aufführungen zu wenige
probenmöglichkeiten am aufführungsort (sehr knappe zeit zum hängen /
einrichten von licht und technik, keine zeit für entwicklungsphasen / proben mit technik wie zB beamer und licht, bei allen präsentationen die wir bis jetzt hatten, war es nicht möglich in einer generalprobe einen gesamtdurchlauf des stückes durchzuführen).
die schlechte organisation von festivals (verlangte und zugesagte technik / licht / proben / bühnensituationen nicht vorhanden) ist ein weiterer umstand, der künstlerisches arbeiten unmöglich macht, da wir im letzten moment immer wieder wichtige bestandteile verändern müssen, worunter sehr oft die qualität bzw. die aussagekraft der stücke stark leidet.
dass es keine oder nur minimale bezahlung / produktionskosten (oft nicht mal fahrtkosten bzw. unterkunft und verpflegung) von den theatern / veranstaltern gibt es nicht der einzige kostenpunkt, der schwer zu tragen ist; auch bedenkt niemand, dass einreichung / viedeomaterial / bewerbung der aufführung uns sehr viel zeit / geld kosten.
insgesamt haben wir in den letzten eineinhalb jahren meist die
sehr frustrierende erfahrung machen müssen, dass zwar nachwuchs gefördert werden soll und ein grosses thema ist, das wirklich konkret sich aber bisher nicht sehr viel verändert hat. die einreichung der stadt wien wäre einer der wenigen positiven aspekte gewesen, es scheint aber sinnlos mit dieser unterstützung zu rechnen. einzig das tqw versucht immer wieder, die festivals die es anbietet, so gut / effektiv wie möglich zu gestalten, auch dies wird jedoch noch einige zeit dauern bis es auf einem wirklich akzeptablen niveau dem nachwuchs nützen kann.


STATEMENT 2

1) tänzerinnen können nicht fix engagiert werden (weil unklar, ob bezahlung möglich ist)
ebenso betrifft das evt. aufträge für musiker bzw. für gestaltung von visuals oder dgl.

2) unklare finanzielle situation schafft unsicherheit bei allen
mitwirkenden (ob sie es sich leisten können, künstlerisch tätig zu sein -
das längerfristige vorplanen von (neben)jobs, auf die die meisten von
uns zur sicherung der grundbedürfnisse angewiesen sind, wird dadurch praktisch unmöglich)

3) probenbeginn / arbeitszeitraum verschiebt bzw. verkürzt sich
(was sich nicht zuletzt auf die form des arbeitsprozesses auswirkt -
"research" (in den kriterien zur förderung festgelegt) braucht zeit!!!)

4) bereits vorhandene verträge bzg. aufführungen sind gefährdet
- hinhaltetaktik der stadt wien
- termine seitens der künstlerinnen müssen penibel genau eingehalten werden (zb. einreichfristen), die stadt wien verschiebt ihre eigenen termine immer wieder
- zeigt den stellenwert der nachwuchsförderung z.b. im verhältnis zu den gedenkfeierlichkeiten (stichwort: mozartjahr)


STATEMENT 3

dass viel idealismus bei der verwirklichung eines projekts notwendig ist steht nicht in frage. dass dies noch viel mehr im kunstbereich und
insbesondere beim nachwuchs der fall ist auch nicht. gerade hier kann man den idealismus in seiner ganzen kraft spüren. es war ein großes aufatmen zu spüren als man merkte, dass diesem idealismus und dieser spürbaren kraft aufmerksamkeit durch unterstützung geschenkt wurde. bis jetzt allerdings ist dies nur durch institutionen geschehen, die dem nachwuchs ermöglichen mehr öffentliche aufmerksamkeit zu bekommen und ihm günstige oder kostenlose infrastuktur zur verfügung zu stellen.
ich habe durch sehr beschränkte möglichkeiten aber doch durch die
unterstützung einiger institutionen ein projekt verwirklichen können. damit konnte ich mein mögliches potential zeigen.
das war der erste schritt. zur weiterentwicklung wäre ein weiterer schritt
notwendig.
durch finanzielle unterstützung wäre es möglich meine projekte zu
finanzieren und meine arbeit als beruf anzusehen.
ich habe ein studium hinter mir, bin seit einigen jahren im tanzbereich tätig und habe viel arbeit und tatenkraft in diesen beruf gesteckt. das nachwuchsprogramm hat mir hoffnung auf verbesserung meiner lage gegeben.
institutionen unterstützen und beachten den nachwuchs und geben möglichkeiten die arbeiten zu zeigen. aber das kann nur ein teil der förderung von nachwuchs (zukunft) sein. um unabhängigkeit und irgendwann den sprung von einem nachwuchskünstler zum künstler zu schaffen, muß man ein budget zur finanzierung der projekte zur verfügung gestellt bekommen. dann kann man diese berufung vielleicht auch beruf nennen.
die verschiebung der entscheidung der stadt wien hat enormen einfluß auf mein weiteres schaffen. ich stecke fest. es gäbe möglichkeiten und interesse an meiner arbeit, die ich weder zu- noch absagen kann. es ist mir nicht mehr möglich meine projekte in eigenfinanzierung zu verwirklichen. und nun sitze ich in einer warteschleife. völlig ausgeliefert und hoffend auf eine beachtung und achtung meines berufs.
die planung meines beruflichen werdegangs ist mir seit wochen nicht möglich, da eine entscheidung der stadt wien ausbleibt. und es kann doch einfach nicht sein, dass nur diejenigen ihre projekte verwirklichen können, die durch eigenfinanzierung diese warteschleifen durchstehen können. diese art von selektierung ist doch nicht sehr förderlich für den kunstbereich.


STATEMENT 4
Rücktrittsaufforderung an die drei ChefköchInnen der Wiener Theaterreform!

Mit stoischer Gelassenheit und breitem Hintern sitzt ihr in eurer "Wiener Küche". Vor Jahren habt ihr Euch als Retter und Reformer,
als Theaterreformer feiern lassen. Ihr, die TheaterstudienautorInnen, die kurz darauf zu KuratorInnen mutierten.
Einer von euch war zu noch größeren Aufgaben berufen, sein Sitz in der Küche wurde rasch und adäquat nachbesetzt.
Die Jahre vergehen. Die Reform stockt. Der Kaffe wird auch kalt.
Kaum etwas von dem, was ihr dereinst vollmundig angekündigt habt konntet ihr umsetzen.
Was habt ihr nicht alles gefordert und versprochen, aus der Küche heraus?
Neue Koproduktionshäuser, temporär bespielbare Hallen, Transparenz, professionelles und termingerechtes Erledigen der Subventionsansuchen, das Durchstoßen der "gläsernen Decke",
jährliche öffentliche Rechenschaftsberichte eurer Tätigkeit, Förderungen unter dem Motto "Ganz oder gar nicht"!
Ihr sitzt in der Küche.
In der Zwischenzeit sind wesentliche und kostenintensive theaterpolitischen Entscheidungen gegen euer Konzept und
gegen eure Zielsetzungen getroffen worden: Der Ronacher Umbau, ein neues Opernhaus, Theaterzelt, eine neue Spielstätte fürs Volkstheater - all dies aus dem Wiener Kulturbudget finanziert.
Wann habt ihr euch dazu öffentlich geäußert? Protestiert? Die notwendigen Mittel für die Theaterreform eingefordert.
In der Küche sitzt ihr: sprachlos und ohne erkennbare Reaktion!
Eine der wenigen Erfolge der Reform ist der Blick auf den Nachwuchs. Im Oktober 2004 hat die Theaterjury EUR 150.000.- für diesen im Bereich Tanz und Performance empfohlen.
Endlich habt ihr der staunenden Szene eine Karotte vom Küchenfenster aus zeigen können.
Gremien tagten, Konzepte wurde erstellt, Einreichtermine angekündigt - jedoch mehrmals verschoben.
Die Karotte verlor zunehmend an Frische und Farbe.
Endlich! 15 Monate später! Jänner 2006! Die Ergebnisse dieser Auslobung sollen verkündigt werden.
Doch nein - ihr könnt oder dürft Nichts verkünden.
Der Kochtopf ist leer! Habt ihr doch wieder vergessen euch um die Sicherung der Mittel zu kümmern.
Wie lange wollt ihr noch in der Küche sitzen?
Tretet zurück! Bekennt euer Scheitern ein!
Ihr seid mehr als ablösereif!
Gebt dem Auftraggeber die Kochlöffel zurück!
Es kann nur besser werden!


STATEMENT 5
"als nachwuchskünstlerin tätig zu sein bedeutet für mich im moment konkret:

- ich finanziere mein stück selbst
- ich bekomme keine gage
- ich muss mich im technischen aufwand zurückhalten
- ich bekomme wenig zeit zum einrichten/aufbauen/proben im
theater, kann somit keine kurzfristigen künstlerischen veränderungen
durchführen
- ich kann nicht mit professionellen leuten arbeiten, weil ich sie nicht
bezahlen kann (dramaturgen, licht etc. ...)
- ich fühle mich teilweise nicht sehr respektvoll behandelt

ich sollte aufhören darüber zu lächeln."


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