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Kulturpolitik
Ja zum Umdenken in der Förderpolitik
Pressemitteilung der IG Freie Theaterarbeit, 16. Mai 2012
Wir freuen uns, dass Ministerin Schmied mit der heutigen Presseaussendung eine Offenheit und ihre Bereitschaft zu einem Umdenken in den Grundstrukturen der Förderpolitik ankündigt. Das freie Theater als innovative, effiziente, international tragende Säule des Theatersektors muss endlich grundlegend anders wahrgenommen und budgetiert werden.

Mit der Gründung einer Plattform für zeitgenössische Tanz- und Theaterhäuser wird einem Bereich synergetisch Gewicht und Sichtbarkeit verliehen, in dem bislang die Spielorte als Einzelkämpfer_innen der jeweiligen Interessenlage agiert haben. Die Zielsetzungen der Plattform – von einer dauerhaften Aufwertung und Erhöhung der Fördermittel bis hin zur Ermöglichung professioneller Arbeitsverhältnisse für Künstler_innen – sind auch Zielsetzungen der Arbeit der IG – werden in der IG Freie Theaterarbeit jedoch aus der Perspektive der freien Künstler_innen argumentiert. Es kann nicht sein, dass freie Theaterschaffende trotz Einsatz bis hin zur Überbeanspruchung aller Zeit- und Energieressourcen nicht nur in einer völlig unsicheren Existenz arbeiten und produzieren, sondern zunehmend prekären Arbeitsbedingungen ausgesetzt sind, die oft jenseits von Minimalstandards für professionelles Arbeiten liegen.

Im aktuellen Mission Statement der IG Freie Theaterarbeit heißt es dazu:
„Die Arbeitsverhältnisse im gesamten Bereich der freien Theaterarbeit werden zunehmend prekär und entstehen sehr häufig im legistischen Graubereich. Künstlerische Arbeit soll nur unter den Bedingungen sozialer, materieller und rechtlicher Sicherheit erfolgen. Daher fordert die IG Freie Theaterarbeit von der Gesetzgebung sowie von der öffentlichen Hand rechtliche Rahmenbedingungen und Fördermodelle ein, die legale Arbeitsverhältnisse im freien Theaterbereich und die Teilhabe der Kunstschaffenden an einer umfassenden sozialen Absicherung ermöglichen.“

Die Ergebnisse der vom bm:ukk in Auftrag gegebenen Studie zur sozialen Lage der Künstler_innen im Jahr 2008 waren alarmierend. Seither gibt es noch kaum strukturelle Verbesserungen mit einer Breitenwirkung für den Sektor.

Wir begrüßen daher die heutige Aussage von Ministerin Schmied als ein Zeichen für eine generelle Wende.

Zur direkten Aufwertung der Förderung von Institutionen im freien Sektor bedarf es einer signifikanten Aufwertung der Fördermittel für freie Gruppen und Projekte, die seit langem auf Ebene aller Körperschaften stagnieren.

Auch nach der Novellierung des Theaterarbeitsgesetzes (TAG 2011 in Kraft getreten) hat sich die faktische Fördersituation bislang nicht verändert, wohl aber die Brisanz der prekären Arbeit der Künstler_innen – eingeschlossen die politische Brisanz für die Häuser, die sich aufgrund der prekären Finanzlage Anstellungen nur in Ausnahmefällen überhaupt leisten können - es aber eigentlich flächendeckend müssten. Mit Billigung aller Förderinstitutionen besteht weiter ein grundlegender juristischer Graubereich für den gesamten Sektor, der endlich in Strukturen überführt werden muss, die legale Arbeitsverhältnisse ermöglichen.

Darüber hinaus sind auf allen Ebenen - Städte, Länder, Bund - signifikante Maßnahmen für eine Stärkung der Mobilität notwendig. Die aktuellen Bundesmittel für internationale Mobilität belaufen sich für Darstellende Kunst und Musik insgesamt auf 272.000 Euro (Kunstbericht 2010 S. 111). Aufwendungen für Mobilität im Land werden im Kunstbericht nicht mehr explizit dargestellt.

Nur durch eine signifikante Veränderung kann hier die Nachhaltigkeit der eingesetzten Fördermittel und die Sichtbarkeit und Breitenwirkung des freien Theatersektors nachhaltig gestärkt werden.


Kontakt und weitere Informationen:
IG Freie Theaterarbeit
office@freietheater.at
01/403 87 94
www.freietheater.at

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