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Das Andere Theater Steiermark: Die Gießkanne ist am verdunsten ...
Offener Brief Das Andere Theater, 11. März 2015
Das Andere Theater Steiermark: Die Gießkanne ist am verdunsten ...

Offener Brief an den Kulturlandesrat Dr.Buchmann
11.3.2013

Sehr geehrter Herr Landesrat!
Die Sparwut im Bereich der Kulturförderung in der Steiermark gefährdet die Existenz von bisher ohnehin bescheiden geförderten Theaterschaffenden!
Die im Februar 2015 vom Landtag beschlossenen Jahres- und Projektförderungen des Landes Steiermark für Freie Theater schockieren.
Bei etablierten Theatern ohne einen mehrjährigen Fördervertrag wurden die Fördersummen für das Jahr 2015 einfach weitergeschrieben, obwohl mehr und größere Projekte umgesetzt werden und Formationen wie die Rabtaldirnln und viele andere national wie international großes Ansehen genießen.
Jene Theater, die ohnehin schon wenig bekommen haben, wurden aus unverständlichen Gründen um teilweise bis zu 50% gekürzt.

NachwuchskünstlerInnen, die sich in den letzten Jahren einen Namen gemacht, mit geringen finanziellen Mitteln interessante Theaterprojekte aufgebaut haben, erhalten nun gar nichts mehr - und das bei einem laut LR Buchmann "konstanten Budget für die Freie Szene" durch Umschichtungen von den "Großen" zu den "Kleinen".

"Wenig" bedeutet Fördersummen zwischen 2.000 und 5.000 Euro. So wird erwartet, dass Theater mit einem Beitrag des Landes Steiermark von 1.000 bis 2.000 Euro ein Theaterstück produzieren und aufführen. Geht man vom Prinzip der Drittelförderung aus (1/3 je Gebietskörperschaft: Bund, Länder, Gemeinden) und berücksichtigt man, dass vom Bund sehr wenig in die Steiermark fließt (rund 4% des Kulturbudgets), so stehen vielen Theatern unter 5.000 Euro für eine Produktion zur Verfügung.
Eine mittlere Produktion mit 2-3 SchauspielerInnen verursacht bei fairen und professionellen Gagen Kosten von ca. 20.000 Euro.

Kriterien wie Eigenleistungen (manche Theater erwirtschaften bis zu 44% ihrer Mittel selbst), Internationalität, Förderung von Jugend oder
Initiativen in den Regionen, die in den Ausschreibungen und im
kulturpolitischen Auftrag an das Kulturkuratorium gefordert werden,
zählen letztendlich nicht.
So wurde ein Festival für Figurentheater in Gleisdorf von 5.500 auf
3.000 Euro gekürzt - 2.500 Euro,die hier sehr schmerzen, insgesamt aber nur ein "Tropfen auf dem heissen Stein" sind.

Zur Erinnerung: LR Buchmann in der Kleinen Zeitung am 23.10.2010: "Mein Wort gilt für alle: Wir werden sicher nicht bei den sogenannten Kleinen zu sparen beginnen, weil da ja ohnehin wenig bis nichts zu holen ist"

Zudem ist ein eklatantes Ungleichgewicht zwischen den einzelnen
Fördersummen zu bemerken: Eine Wiederaufnahme eines Kinderstücks aus Niederösterreich erhielt im Jahr 2014 25.000 Euro an Kulturfoerderung (entgegen der Empfehlung des Kulturkuratoriums!), ein seit Jahren in der Steiermark
arbeitendes Kindertheater bekommt für eine Neu-Produktion 1.000 Euro (angesucht waren bescheidene 4.000 Euro).
Und dabei heißt es, dass man weg wolle vom "Gießkannenprinzip", das allen etwas, aber nicht genug zum Überleben beschert.
Wer eine Förderung bekommen hat, und sei sie auch noch so gering, hat auch kein Anrecht auf eine Vorsprache beim Kulturkuratorium - friss oder stirb!

Eine Konsequenz:
SchauspielerInnen melden sich arbeitslos, damit sie finanziell noch über die Runden kommen. Natürlich produzieren sie nebenbei, denn das ist ja ihr Beruf. Nur leben können sie davon nicht.

Damit sind die in den letzten Jahren kontinuierlich fortschreitende
Professionalisierung und die damit einhergehende Schaffung von
Arbeitsplätzen in der Freien Theaterszene in Gefahr!

Dass die Freien Theater gleichwertig neben dem Schauspielhaus stehen, beweist eine Erhebung von Das andere Theater für die Jahre 2009 bis 2012. Durchschnittlich besuchten 234 Personen pro Tag Stücke der Freien Theater, das Schauspielhaus hatte mit all seinen Bühnen in der Saison 2012/13 durchschnittlich 235 BesucherInnen am Tag.

Die Fördersummen liegen dabei bei 1,5 Mio. für die Freie Szene und 15 Mio. für die Theaterholding (Schauspielhaus, Oper, Next Liberty, 698 Besucher/Tag).
Der Eigenwirtschaftsanteil des Schauspielhauses liegt bei 16%.

Wir fordern das Kulturkuratorium und den verantwortlichen Landesrat
Buchmann auf:

- Die Rolle der Freien Theater in Graz und der Steiermark endlich
anzuerkennen und im Kulturbudget entsprechend abzubilden.
- Für angemessene Fördersummen zu sorgen, damit professionell gearbeitet werden kann und faire Gagen bezahlt werden können.
- Die eingereichten Budgets als realistische Angaben und nicht als
utopische Wunschvorstellungen zu werten und die Förderungen
dementsprechend zu gewähren.

Mit den besten Grüßen
Für den Vorstand „Das andere Theater“
Andrea Egger-Dörres & Katharina Dilena (GF „Das andere Theater“)


Quelle: Regierungsbeschlüsse, Land Steiermark Regierungssitzung vom
12.2.2015
Eigenangaben von Grazer/Steirischen Theatern
PS: Das Ansuchen war bis 1.11.2014 einzureichen, die Bescheide ergingen
fast 4 Monate später, für Projekte die teilweise schon im April 2015
stattfinden.

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