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Gewonnener Förderpreis nicht ausbezahlt
Pressemitteilung kunstkollektiv JAWUI und IG Freie Theaterarbeit, 4. Juli 2014
Jungwild Nachwuchspreis

Die IG Freie Theater macht seit Jahren auf die zunehmend prekäre Lage von Künstler_innen und Kulturarbeiter_innen aufmerksam. Fast der gesamte freie darstellende Sektor in Österreich ist sehr knapp bis enorm unterdotiert. Das betrifft sowohl die finanzielle Ausstattung von Spielorten in der freien Szene, wie auch die Förderbedingungen von freien Gruppen. In die daraus entstehenden Prekaritätsfallen geraten freie Künstler_innen immer häufiger.

Wie aus einer engagierten, prinzipiell positiven Initiative eine nur schwer abzulehnende Prekaritätsfalle werden kann, zeigt folgender symptomatische Einzelfall.


Der Jungwild Förderpreis wird von Dschungel Wien, Szene Bunte Wähne, Schäxpir Festival und spleen*graz gestiftet. Gedacht als engagierter Nachwuchspreis, erweist er sich in der Praxis schlussendlich als ausgezeichneter Einstieg ins Ausbeutungssystem freies Theater. Er ist nur eines von vielen Beispielen, wie aus wohlgemeinten Initiativen künstlerische Ausbeutung entstehen kann. Viel zu viele freie Kunstprojekte können nur realisiert werden, weil freie Künstler_innen egal ob jung oder routiniert diese erst durch Selbstausbeutung realisierbar machen. Und das wird selbstverständlich erwartet – jenseits der Millionen-Euro-Fehlsummen der großen Player wie Burgtheater und Vereinigte Bühnen Wien. Jawui sagt nein.

Im Folgenden finden Sie den Pressetext des Kunstkollektivs Jawui sowie eine Hintergrunddarstellung.

Pressetext des Kunstkollektivs Jawui:

Keine Ausbeutung, kein Preisgeld



Wenn Sie heutzutage etwas kaufen und sich fragen, ob dafür jemand ausgebeutet wurde, dann sind das nicht mehr nur multinationale Konzerne, an die Sie denken müssen. Dafür reicht heutzutage bereits ein Besuch im Theater. Zum Beispiel im Dschungel Wien.

Der Dschungel unter Stephan Rabl ist bekannt für gehaltvolles Theater, doch von einem ordentlichen Gehalt sind die freien Gruppen, Künstler_innen und Kulturarbeiter_innen [im Dschungel Wien], die mit ihrer professionellen Arbeit für den guten Ruf des Dschungels sorgen, weit entfernt – und dieses System hat seinen Erfolgskurs im Kinder- und Jugendtheaterbereich in ganz Ost-Österreich bereits fortgesetzt. Theater für kleine Menschen zu kleinen Preisen, nicht nur beim Eintritt. Die Leidtragenden sind die Künstler_innen.

Jüngstes Beispiel hierfür ist der Jungwild Förderpreis.

Gewinner_innen des Jungwildpreises wird ihr Gewinn verwehrt, weil sie sich geweigert haben, unbezahlt zu arbeiten.

Seit 2009 wird dieser jährlich an drei Gruppen vergeben. 2013 gewann die Gruppe Jawui als eine dieser Gruppen besagten Preis.
Gewonnen, aber nicht bekommen. Auf ihr Preisgeld warten sie noch bis heute – das weigern sich Dschungel Wien, spleen*graz, Szene Bunte Wähne und Schäxpir Linz zu bezahlen.

Statt des gewonnenen Preisgeldes wurde ihnen ein Vertrag vorgelegt, der keine Erwähnung in der Ausschreibung findet und dessen Unterschrift zur Bedingung für die Auszahlung des Preisgeldes gemacht wurde. Ein Vertrag der plötzlich andere Bedingungen an das Preisgeld stellt. Der unbezahlte Arbeit bis 2015 vorsieht. Der Inhalte verdreht und aus einem Gewinn Verpflichtungen macht – und der nicht nachverhandelbar ist - einzig Yvonne Birghan-van Kruyssen von Szene Bunte Wähne zeigte hier ihre Gesprächsbereitschaft.
Als sich die junge Künstler_innengruppe weigerte zu unterschreiben, wurde ihnen das Preisgeld verwehrt und ihre Teilnahme an den Festivals.

Der Richter Dr. Gerd Mitter aus Leoben nennt dies einen Fall von Irreführung.

Thomas Weilharter (kunstkollektiv Jawui). „Zuerst erarbeitest du einen 15-minütigen Beitrag fürs Jungwild-Finale, dann gewinnst du, und dann erst wird dir gesagt, was wirklich die Bedingungen sind. Und wenn du die dann nicht schluckst, war die ganze Arbeit umsonst. In unserem Fall insgesamt mehrere hundert Arbeitsstunden, plus Unkosten.“

Eine Aussprache verlief ergebnislos.

kunstkollektiv Jawui, Thomas Weilharter und Bernadette Laimbauer


Hintergrund:


Den Jungwild Nachwuchspreis (von Dschungel Wien, Szene Bunte Wähne, dem Internationalen Theaterfestival Schäxpir und der ARGE spleen*graz durchgeführt) hat im Juni 2013 das kunstkollektiv Jawui, nach der erfolgreichen Präsentation einer szenischen Skizze im Rahmen des Schäxpir-Theaterfestivals, gewonnen.

Der sinnvolle Gedanke hinter dem Preis, einer jungen Theatergruppe im Bereich Theater für junges Publikum die Erarbeitung einer Produktion finanziell zu ermöglichen, wurde fast ein Jahr später noch immer nicht erfüllt. Bis heute hat Jawui das Preisgeld nicht erhalten und konnte daher auch die geplante Produktion, rechtzeitig, wie der Preis es vorgesehen hätte als Uraufführung beim spleen*graz Festival nicht realisieren.

Das Preisgeld von 5.333 Euro ist eigentlich kein angemessenes Budget für eine gesamte Produktion, aber es hätte dem Kunstkollektiv Jawui knapp für die Produktionsrealisation und die Uraufführung beim Festival spleen*graz gereicht. Die Auszahlung des Preisgeldes ist mit der Unterzeichnung eines Vertrages verbunden, der festlegt, dass Jawui sich verpflichtet, die Produktion bei allen vier Veranstalter_innen zu zeigen. Je nachdem, um den wievielten Auftritt es sich handelt, changieren die Honorare für die bei den Auftritten Involvierten zwischen unentgeltlich, einem bescheidenen Fixhonorar und Einnahmenteilung (70 % für die Theatergruppe, 30 % für die Veranstalter_innen). Aufenthalts-, Reise- und Transportkosten, Kosten für Rechte werden durch die jeweiligen Veranstalter_innen getragen. Nicht getragen werden die unvermeidbaren Wiederaufnahmeproben.

Die Erstellungskosten der Produktion und die nicht im Vertrag mitbedachten Kosten für Arbeitsleistungen des Kollektivs bei den Zusatzauftritten fair entgolten zu bekommen, sowie für Wiederaufnahmeproben muss von 5.333 Euro Preisgeld geleistet werden können. Vor allem das Argument Doppelförderung der Förderstellen verunmöglicht den Künstler_innen zusätzliche Förderungen für diese Produktion zu bekommen. Die Künstler_innen von Jawui haben sich schlussendlich schweren Herzens entschieden, nicht gratis bzw. für wenig Geld zu arbeiten und den Vertrag, von dem in der Preisausschreibung keine Rede war, nicht unterschrieben.

Die Veranstalter_innen konnten, aus welchen Gründen auch immer, keine Auftrittskonditionen, die den beteiligten Künstler_innen die Bezahlung ihrer Arbeit garantiert, gewähren. Sie waren auch nicht bereit, die unbezahlten Auftritte einfach zu streichen.

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