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Gernot Plass/Künstlerischer Leiter TAG: Leserbrief im STANDARD Am Wochenende erschien im DerStandard ein stark gekürzter Leserbrief von Gernot Plass. Hier der Brief im Volltext:

Andreas Mailath-Pokorny (MP) ist ein Sozialdemokrat. Das bedeutet: MP wird auf der Liste einer Partei in sein Gehalt gewählt, die sich traditionell der Angelegenheiten von Schwachen und Ungerecht behandelten annimmt. In dieser kalten, bürgerlichen und durchkapitalisierten Wettbewerbswelt. MP wurde von dieser Partei mit einer öffentlichen Funktion und Umsetzungskompetenz betraut: Stadtrat für Kulturangelegenheiten. Auf diesem Feld hatte sich in grauer Vorzeit jene Partei auch einmal an dem ranzigen Kulturbegriff der Bourgeoisie abgearbeitet.

Warum war dieser Kulturbegriff ranzig geworden? Weil er – von seinen Gründervätern zunächst aufklärerisch entwickelt - in seiner Spätphase nur noch einer reichen, besitzenden und ausbeutenden Klasse Beruhigungs- und Unterhaltungs-Szenarien zur eigenen Bestätigung zu liefern hatte. Nebst einer willkommenen Gelegenheit zu repräsentieren, also eigenen Reichtum zur Schau zu stellen.

Daran hatte MP‘s Partei einst Kritik geübt. Dazu hatte sie Gegenkulturen entworfen und - so sie die Macht in Händen hielt – eben diese gefördert. Dass sie nicht immer auf der ideologischen Höhe ihrer selbst diesen Kulturbegriff auch halbbewusst kopierte und sich seinen Repräsentanten ungeschickt andiente, steht auf einem anderen Blatt. Doch war man sich in den Kadern immer einig, dass all der einlullende Glanz Feigenblattfunktion hatte.

Doch davon weiß MP nichts. Oder besser: Davon will er nichts wissen. Warum nicht?
MP ist der typische Abgesandte einer halbbewussten, desinteressierten und neoliberalisierten Sozialdemokratie in der Spätphase ihrer Funktionsperiode. Diesem Phänotypus ist alles Fundamentale und Ideologische ein Gräuel.

Spricht man demnach MP direkt auf seine Vergessenheit an, reagiert er typisch - also mitunter unwirsch. Er identifiziert sein Gegenüber als Abgeordneter einer von ihm sogenannten „Neidgesellschaft“ und versteht die Welt nicht mehr. Reflexartig bemüht er den Vergleich mit anderen Metropolen. Auch wäre sein Blick nicht immer nur in die – zugegeben - glorreiche Vergangenheit seiner Partei gerichtet. Nein, MP ist ein pragmatischer Macher. Der Kunst des Möglichen verpflichtet, also nach vorne ausgerichtet. Und sein Herz befinde sich bitte sehr am rechten Fleck.

Dieses sich selbst verpasste Narrativ wird von ihm und seiner PR Abteilung in die Welt getragen. Und hat man ideologisch seine Koordinaten aus dem Blick verloren, bleibt einem auch nur noch die PR.

Subventionserhöhung. 4,9 Millionen an die Macher von „Natürlich blond“. Gratuliere. Es sei Ihnen vergönnt. Sie müssen ausgeglichen bilanzieren. Und wenn die Abend-Kasse mal nicht so klingelt? Hat man ja trotzdem seine Ausgaben. Thomas Drosda - auch ein Sozialdemokrat und der eigentlich mächtigste Kulturpolitiker der Stadt - hat bekommen, was er wollte. Hut ab. Er drohte mit Entlassungen und schon war man ihm zur öffentlichen Hand. Ein Coup, der sich gelohnt hat.

Und die Grünen? Was machen die? Jahrelang haben sie doch gegen diese Form der Kulturpolitik gekläfft. Stellen sie Bedingungen? Oder - geschweige denn - die Koalitionsfrage? Kulturpolitisch wäre das nämlich der größtmögliche Sündenfall. Nein man stimmt zu. Und der Kultursprecher der Grünen Klaus Werner Lobo hat nicht einmal die Größe zurückzutreten. Er duckt sich lieber. Bekennt mit Krokodilstränen sein Scheitern ein und geht dann wieder an die Arbeit. Kleine Kulturinitiativen vertrösten. Und ... ähm sorry. Man hat auch schließlich noch andere Flanken offen.

Niemand bemerkt, dass man mit dieser Zustimmung die durchgehende Grünsympathie in der Kulturszene mit einem Schlag vernichtet hat. Genial eingefädelt vom Gegenspiel.

Beinahe hätte MP es mit Hilfe seines Freundes Drozda geschafft, wenn Klaus Werner Lobo nur etwas mehr Format hätte, aber so ... hat sich MP verrechnet. Verdammt. Der Mann klebt immer noch auf seinem Sessel. Und nervt im Kulturausschuss bis zum Tag der nächsten Wahlen weiter. Strafe muss sein. Die Welt ist gerecht. Die Sozialdemokratie kümmert sich weiter um die Schwachen und Geschwächten. Und MP ist ein Sozialdemokrat.

Gernot Plass
TAG, Künstlerischer Leiter


Der Leserbrief von Gernot Plass ist als Volltextversion auch hier zu finden: dastag.at/home/

Link zum Kommentar der Anderen von Kulturstadtrat Mailath-Pokorny: derstandard.at/1385169883584/1...

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